Yuishinkan-Survival-Lehrgang September 2002 in Belgien mit Eddy de Vos

Text und Photos von Verena Willkomm

Dies ist ein vollkommen objektiver Rückblick auf das „Yuishinkan Goju-Ryu Karate-Do International Survival-Weekend“ in Opoeteren-Louwel, Belgien, zu dem Eddy De Vos, 5. Dan, dieses Jahr zum 4. Mal einlud. Es fand vom 13.09. bis 15.09.02 statt, und u.a. nahm daran eine Gruppe von fünf unverdrossenen Karateka der TG Witten und des Castroper TV teil.
 

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Beginnen wir damit, dass ich mich trotz aller Warnungen dazu entschied, am Survival Lehrgang teilzunehmen. Bevor es soweit war, dachte ich oft, Dummheit muss eben bestraft werden, und wie hätte ich meinen Entschluss nach Erfahrungsberichten unserer Trainer (nachts um 3 Uhr 6-10 km mit Turnschuhen/barfuß durch Dünen und Wald joggen) anders nennen sollen. Dieser Eindruck bestätigte sich, als Ralf mich auf der Fahrt zu Uwe und Yunus danach fragte, ob ich an Schmerzmittel gedacht hätte. (Ein Karateka kennt keinen Schmerz – dank Schmerzmittel!) Zunächst wurde es aber nur zusehends enger im Auto. Der eh schon volle Kofferraum füllte sich in Castrop noch um einiges (von wegen Frauen hätten das meiste Gepäck). Noch besser wurde es, als Holger in Leverkusen zustieg, da jemand auf die glorreiche Idee gekommen war, lasst uns versuchen, fünf Karateka in ein Auto zu quetschen. Aber auch Holger passte noch irgendwie rein, sogar der Kofferraum ging zu, und auf der Rückbank wurde es mit Uwe, Yunus, mir und den Bo richtig gemütlich. Ohne weitere Zwischenfälle erreichten wir schließlich unseren Zielort, das Naturschutzgebiet Opoeteren-Louwel, wo wir zwei lange Baracken und einige andere Karatekas vorfanden. Nun mussten wir uns entscheiden, ob wir sofort die Zelte aufbauen, oder erst etwas essen wollten. Letzten Endes setzte sich die hungrige Meute durch, was dazu führte, dass es stockdunkel war, als wir die Zelte aufbauen wollten. Die vier Gentlemen hatten sich in den Kopf gesetzt, dass die einzige Lady der Gruppe ein Extrazelt haben sollte, was allerdings schon bald an der Tatsache scheiterte, dass die Zeltstangen von Uwes Zelt unauffindbar waren.
 

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Ich konnte Uwe und Yunus also mit Mühe überzeugen, dass Frauen auch nur Menschen sind, und es sehr unbequem ist, im Auto zu schlafen. Jetzt hatte ich zwei Helfer für den Zeltaufbau, sogar mit Erfahrung (Yunus: „Ich weiß wie man ein Zelt aufbaut!“). Okay, ich denke mal, mit einem „normalen“ Zelt wären sie auch ohne meine Hilfe klargekommen, aber so lief es darauf hinaus, dass ich herumwuselte und den beiden Anweisungen wie „Halt mal!“ gab. Dann marschierten wir mit Taschenlampen ausgerüstet zum Dojo (ein großes, weißes Zelt), wo es eine Begrüßungsrunde gab. Einige Zeit später standen wir mit (noch) weißen Anzügen im Dojo und machten eine mir völlig unbekannte Kata, bis wir zu einzelnen Bunkai Formen übergingen, die für mich auch neu waren. Es ist mir zwar schleierhaft, wie mein Partner und ich es geschafft haben, Eddy’s Bunkaiversionen nachzuvollziehen, aber es hat wirklich geklappt. Falls mich mein Gedächtnis nicht täuscht, sind wir dann so gegen 1 Uhr ins Bett, bzw. Zelt gegangen. Wie gut, dass die nächste Einheit schon um 3 Uhr war, denn sobald die Trainingswärme weg war, wurde es verdammt kalt im Schlafsack, auch mit drei Pullovern und Wollsocken. Zu diesem Zeitpunkt war Yunus bereits erkältet. Wach wurden wir dann irgendwann in der Nacht, und stellten fest, dass die anderen schon im Dojo waren. Also rein in den arschkalten und feuchten Anzug, und hinterher. In den Jahren vorher seien sie um die Zeit joggen gegangen, sagte Ralf, aber uns wurde das erspart. Überhaupt sind wir kein einziges Mal joggen gegangen, und haben immer im Dojo trainiert, bis auf die eine Bo/Shinai Einheit, die hinter dem Dojo auf der Wiese stattfand.
 

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Nachts um 3 Uhr haben wir zuerst eine andere mir unbekannte Kata gemacht (es gibt halt viele Katas, die ich nicht kenne), und sind dann zu Gekisai Bunkai auf einer Linie übergegangen. Das hat auch im Halbschlaf ganz gut geklappt. Nach etwa einer Stunde ging es zurück ins Zelt, bis zur nächsten Trainingseinheit um 6.30 Uhr. Es ist wohl nicht nötig, jedes Training im Einzelnen zu beschreiben, allerdings sollten vielleicht die Würfe und Hebel zur Gekisai Bunkai noch gesondert erwähnt werden (an den Rest kann ich mich sowieso nur noch dunkel erinnern), da wir hinterher alle wie Sandschweine aussahen. Es hat aber wirklich Spaß gemacht – ich liebe es eben, in den Dreck geworfen, dann fixiert und anschließend kampfunfähig gemacht zu werden. Vor allem, wenn man einen kreativen Partner hat („Warte, jetzt kann ich dich noch hebeln, oder hierhin treten, oder doch lieber...“).

Was außerdem sehr interessant war, waren einige Unklarheiten bei den Waschräumen, genauer gesagt beim „wer wo“. Es gab zwar zwei Waschräume, also hätten Frauen und Männer theoretisch getrennt duschen können, aber aus irgendwelchen Gründen waren die Männer immer in beiden vertreten. Da es keine Schilder (M/W) gab, war es ohnehin Gerüchten und der eigenen Phantasie überlassen, herauszufinden, wer von Rechts wegen wo duschen sollte. Die Klos waren übrigens echt cool – zumindest für Leute mit Bio Leistungskurs. Da gab es alles von fetten Spinnen über gemeine Mücken bis hin zu dicken Motten und Weberknechten. Echt survival eben. Das Essen war gut, auch für eine pingelige Vegetarierin wie mich. Nach der letzten Trainingseinheit am Sonntag fand noch ein Fotoshooting statt, bei dem wir fünf mit größtenteils misslungenen Stunts auf uns aufmerksam machten. Danach hieß es einpacken, und auch dies Mal ging der Kofferraum irgendwie zu, allerdings war es echt knapp. Hinten war es auf der Rückfahrt wieder kuschelig eng, und wir nutzten die Gelegenheit, um zu schlafen oder zu dösen (die Bo waren ja so bequem...), bis wir dann in Leverkusen Holger ausluden, und so jeder wieder mehr als ein halbes DIN A 4 Blatt Platz hatte. Ich denke, dass sich inzwischen jeder anhand dieses völlig objektiven, rein sachlichen Textes eine Meinung dazu bilden kann, ob es sinnvoll ist, an einem Survival Lehrgang teilzunehmen. Ich für meinen Teil kann diese Frage eindeutig mit „Jein“ beantworten – es kommt ganz darauf an, was man will. Ich habe mich als Sandschwein und einzige Frau in einer Männergruppe (nicht auf den gesamten Lehrgang, sondern nur auf uns Wittener/Castroper bezogen) sehr wohl gefühlt, und mich, da das Joggen ausgefallen ist, kein Stück überfordert gefühlt. Also denke ich, dass es eine prima Erfahrung war, und keine einmalige Angelegenheit bleiben soll. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Eddy und seine zahlreichen Helfer, die das Stattfinden des Lehrgangs erst möglich gemacht haben.